Königstein (as) – Die ganze Woche über strahlten sieben Sonnen über der Burgenstadt. Hoch „Uli“ hatte sich breitgemacht. Ulrike „Uli“ Frech strahlte mit. Die Activity-Beauftragte des Lions Clubs Königstein Burg und damit Veranstaltungschefin des Benefizlaufs konnte am Sonntagnachmittag einen weiteren Rekord bei Königsteins größter Sportveranstaltung verkünden. Bei der 13. Auflage des Benefizlaufs waren erstmals mehr als 400 Kinder aktiv dabei, genau sogar 448 mit den Nachmeldungen am Lauftag. Es wuselte nur so im Kurpark, als um 12 Uhr der erste Startschuss für die Jüngsten über 350 Meter fiel – traditionell abgegeben durch das Burgfräulein. Malva I. hatte so schon das zweite Mal die Ehre, die Felder bei den insgesamt fünf Läufen auf die Strecke zu schicken.
Insgesamt mehr als 1.100 Laufbegeisterte zwischen vier und (vermutlich) 86 Jahren waren wieder aktiv, knapp 100 von ihnen „virtuell“ an einem anderen Ort, aber mit dem gleichen Ziel: laufend Gutes zu tun, in diesem Jahr für die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Im vergangenen Jahr konnten 22.000 Euro gespendet werden, eine weitere Steigerung ist also gut möglich. „Wir sind super happy“, sagte Uli Frech, und ihre Kolleginnen bei den „Löwinnen“, die sich wieder in großer Zahl im Organisationsteam eingebracht hatten und auch auf die starke Unterstützung der Stadt zählen konnten, waren ebenfalls glücklich. „Es ist wunderbar, dass wir wieder so viele Königsteiner mobilisiert haben, es ist eine super Atmosphäre! Ich freue mich über Jung und Alt“, sagte Club-Präsidentin Carola Feind-Just, die fast den ganzen Tag an der Seite von Moderatorin Christiane Rau auf dem Podest bei Start und Ziel verbracht und so den besten Überblick hatte.
Was sie und alle anderen Besucher und Teilnehmer sehen, ja greifen konnten, waren die Motivation, der Spaß und die Emotionen, insbesondere bei den Kindern. Wie sie sich minutenlang hinter der quergehaltenen Stange an der Startlinie aufbauten, fast schon mit den Füßen scharrten, bis sie endlich losgelassen wurden. Zum Glück ging in dem dichten Gewusel gerade am Start auf der Strecke auch alles gut, unglücklicherweise stolperte ein Mädchen nach dem Zieleinlauf – bereits mit der Medaille um den Hals – über einen Stein und verletzte sich am Arm.
Jan Dillemuth, 1.500-Meter-Ass des Königsteiner Leichtathletik-Vereins (KLV), fühlte sich da an seine Anfänge erinnert. Er sagte im Interview mit Christian Rau: „Ich habe ähnlich angefangen mit Dorfläufen über zwei, drei Kilometer. Es ist möglich, hier seine Liebe für das Laufen zu entdecken, um es später vielleicht auch leistungsmäßig zu betreiben.“
Beim Jugendlauf über 700 Meter waren durch die großen Teams der Grundschule am Kastanienhain aus Schneidhain (120 Kinder) und der Grundschule Königstein (150 Kinder) so viele dabei, dass die Felder getrennt auf die Strecke geschickt wurden. Auch die St. Angela-Schule war mit 22 Schülerinnen gut vertreten, eine große Jugendgruppe stellte zudem der 1. FC-TSG Königstein und der KLV war mit 37 Läuferinnen und Läufern quer über alle Altersklassen am Start.
In den Läufen über 2,5 Kilometer – das ist eine Runde durch Altstadt und Woogtal – sowie im Hauptlauf über 5 bis 10 Kilometer, traf sich wieder ein buntes Völkchen von Laufbegeisterten und Unterstützern des guten Zwecks. Laufen vereint. Die Sponsoren des Laufs hatten selbstverständlich wieder Laufgruppen aufgeboten, die größte kam hier mit 22 Läufern von der Süwag. Eine von Jahr zu Jahr weiter wachsende Gruppe schickte die Lebenshilfe Main-Taunus: Sie war im Lauf über 2,5 Kilometer mit 48 Personen dabei, darunter 28 mit Behinderungen. Die sich wieder mit großem Engagement in das „kleine“ Laufabenteuer wagten und es, trotz eines Sturzes und einer zu verarztenden Schürfwunde, auch erfolgreich beendeten. Mit Medaillen um den Hals, die ansonsten den Kindern vorbehalten sind. „Die Medaillen sind für unsere Teilnehmer wahnsinnig wichtig“, sagte Betreuerin Cindy Kilb. „Wir waren 2019 die Begünstigen, seitdem sind wir jedes Jahr dabei, auch aus Respekt vor den anderen Begünstigten. Das ist etwas Besonderes hier“, stellte Kilb, selbst Königsteinerin, heraus.
Und auch wenn es beim Benefizlauf auf das Dabeisein und Unterstützen ankommt, gibt es auch hier einen inoffiziellen Gewinner – inoffiziell deshalb, weil die Uhr nicht mitläuft. In diesem Jahr war es Thomas Wetzer aus Berlin, der auf Heimatbesuch bei seiner Schwester Christina in Königstein war. Er lief handgestoppte 38:40 Minuten über die zehn Kilometer, auf denen viermal der steile Anstieg am Schweizer Haus zu bewältigen war. Ebenfalls inoffiziell eine neue Bestzeit. Dass es der Mann drauf hat, zeigte schon sein Laufshirt vom Chicago-Marathon, vor zwei Wochen erst war er beim Mailand-Marathon nach 2:50 Stunden im Ziel. Und jetzt also Königstein: „Es ist anspruchsvoll, man muss sich erst herantasten an die Strecke, es ist eine gute Stimmung, es hat sich gelohnt“, lautete das Lob des weitgereisten Läufers.
Kinderprogramm vertreibt Monster
Gelohnt hatte sich ganz sicher auch das Kinderprogramm, denn es herrschte großer Andrang. Für 2 Euro für die Spendenzwecke konnten Kinder an verschiedenen Stationen dabei sein, am Glücksrad des Burgvereins drehen, auf Dosen werfen, bei Gold-Sponsor Kieser die Gelenke des Körpers bestimmen, an den Bastel-Stationen kreativ werden und vor ihren Läufen beim Aufwärmprogramm von Dragon Gym, die auch Gutscheine für Selbstverteidigungskurse verteilten, mitmachen.
Wer auf seinem Zettel alle Stempel komplett hatte, bekam einen Extra-Gewinn aus dem Fundus von Spielen, Büchern und Bastelmaterialien, die die Lions-Damen bei vielen Partnern zusammengetragen hatten. Umlagert waren insbesondere die Stände der begünstigten Vereine. Bei der Telefonseelsorge „Nummer gegen Kummer“ konnten die Kinder Perlen an Schlüsselanhängern auffädeln, beim Frankfurter Verein zur Unterstützung von psychisch kranken Kindern und Jugendlichen gab es Tattoos und ein sogenanntes Monsterspray in verschiedenen Tönen aus Lebensmittelfarben, das bei Kindern mit Angststörungen böse Monster unter dem Bett (bzw. in den Gedanken) vertreiben und beim Einschlafen helfen soll. „Wir wollen auch etwas Therapeutisches anbieten“, sagte Susanne Hansen, eine der beiden Vorsitzenden des Vereins, „und es kommt gut an, auch bei älteren Kindern.“
Vom Benefizlauf und dass man als Frankfurter Verein von den Königsteiner Lions-Damen gefunden worden war, zeigte sie sich begeistert. „Wir sind froh über die Awareness, wir reden hier immer noch über ein Tabuthema. Umso wichtiger ist es, herauszugehen und sich zu zeigen.“ Genauso, wie das am Sonntag alle getan haben und einfach für den guten Zweck mitgelaufen sind.
Quelle: Taunus-Nachrichten vom 30.04.2026



